BNN Ettlingen vom Dienstag, 4. Juli 2006

Gehauchtes "Yeah" stimulierte Zuhörer
Cole Porter Matinee des Ettlinger Jazzchores in der Schlossgartenhalle kam bei Publikum gut an

"We got the Swing" heißt es zum Auftakt, und schon nach drei Minuten hat der Ettlinger Jazzchor und seine filigran und doch druckvoll aufspielende Band die Präzision einer gut geölten Maschine bei gleichzeitig beschwingter Lockerheit mal eben so demonstriert. "I get a kick out of ... Cole Porter" heißt das Programm, das die Ettlinger am Sonntag in der gut besuchten Schlossgartenhalle zu hören bekamen.
"Sie werden sehen, was mit Cole Porter alles möglich ist: Anything Goes", meint Moderator Harald Schwiers und spielt damit zum einen auf die neuen Arrangementgewänder an, die Chorleiter Wolfgang Klockewitz den Songs verpasst hat, und zum anderen auf die Kooperation des Jazzchores mit den Schlossfestspielen. Am deutlichsten wird die eigene Handschrift beim Titelsong des Musicals "Anything Goes", der auf geraden, fast rockigen Rhythmus setzt, keine instrumentalen Schnörkel duldet und so die Gesangsstimmen umso strahlender erscheinen kösst.
Schon vorher haben die Gesangsstimmen in allen musikalischen Farben die Ausrufezeichen gesetzt, die Musiker brillierten songdienlich. "Begin the Beguine" setzt auf dezente Zurückhaltung mit percussiven Grundakzenten, Marianne Martin setzt ihre rauchige Stimme darauf, und passt. Der Chor bringt wechselnde Stimmungen in fließenden Übergängen auf die Bühne. Dabei hilft das nicht überbetonte, aber immer vorhandene, schauspielerische Element. "I Love Paris" geht auch, wenn es regent. Und zu Regen aus den Lautsprechern [...] setzt die Band ein, verschmitzt schleicht Gebhardt Seufert-Braun mit dem roten Regenschirm auf die Bühne - und in der Freude über die Komik baut sich ein kunstvoll verschachteltes Wechselspiel von Solist, Solichor und dem großen Klangkörper hintendran auf. Szenenapplaus ist der Dank, und beim gehauchten "Yeah" am Schluss erreicht der Beifall schon Zugabeforderungslautstärke.
Schwiers verschafft in seiner Moderation Einblicke in Leben uns Stil des Cole Porter. "Er lehnte Arbeiten ab. Aber Komponieren war für ihn keine Arbeit." Und dass seine Songs Klassiker wurden, mag der Vielzahl der Coverversionen geschuldet sein. Die es beispielsweise von "Ive got you under my Skin" gibt. Das von so unterschiedlichen Künstlern wie Stan Getz, Sonny Rollins, Frank Sinatra oder The Four Seasons bearbeite wurde. Andere Cole Porter Songs wie "I get a kick out of you" verraten etwas über das Leben ihres Schöpfers. Probleme mit Der Zensir wegen des Wortes "Cocaine" oder die Textzeile, die verrät, dass Champagner nicht der ultimative Kick ist, lassen ahnen, dass porter das alles schon hinter sich hatte. Hier nun passt alles: Die Band legt einen so erdigen Groove hin, die Sänger und Sängerinnen agieren so lässig und abgeklärt, dass diese vertraute Melodie urplötzlich einen anderen, nachgerade hypnotischen Charakter annimmt.
Bei "Love for Sale" brilliert Yvonne Arnitz mit eindringlichem Vortrag - ganz ihne Chor im Hintergrund zu einer Musik, die einen Hauch von Schlangenbeschwörung assoziert. Umgekehrt braucht "Night and Day" keine Instrumente, sondern entfaltet seine melodische Schönheit a cappella. Bis als Überraschungsgast Florian Schmidt von den Fun Tappers Karlsruhe (mehrfacher Deutscher Meister im Steptanz), quasi die Rolle der Rhythmusmaschine übernimmt, nur eben viel lebendiger. Eine glänzende Idee, perfekt in Szene gesetzt und absolut passend. Die sogar zur dritten Azugabe wiederholt werden muss. Vorher aber gibt es noch "Evry time we say goodbye" und danach eine sehr sommerliche, treibende Swingnummer mit dem Titel "Have a good time". Die einzige, die nicht von Cole Porter ist. Sondern von Wolfgang Klockewitz.
Thomas Zimmer